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Die C-Krise, der Alltag und neue Chancen

Die mißgünstigen, verrückten Nachbarn sind wir los. Besser gesagt, sie sind uns los.
Die Anfeindungen und Vorhaltungen uns gegenüber wurden so unerträglich, dass selbst die knatschige Stimme von Chantal, die bei jedem Sonnenstrahl aus dem Garten ertönte, mich sonst recht entspannten Menschen schon in Wut versetzt hatte.
So beschloss ich kurzerhand aufgrund der gefühlten zunehmenden Enge in der 80qm Wohnung, mit 2 schnell in die Höhe wachsenden Kindern, den wunderbaren Ausblick auf die Pferdewiese und die zugleich immer unerträglicher werdende, laute Hauptstraße zu verlassen. Und die beknackten Nachbarn.
Erfahrungen aus  meinem Leben zufolge, war so etwas bisher oft schnell gedacht, dann laut gesagt und binnen kurzer Zeit auch getan. So auch diesmal.
4 Monate später befinden wir uns nun tausend Meter weiter; um genau zu sein, um die Ecke, auf 105qm. In Ruhe, mit friedlichen, wohlwollenden Nachbarn, von denen keiner asoziales Verhalten erprobt und niemand dabei zu beobachten ist, wie er sich tag täglich die Hucke vollhaut um dann volltrunken den Mut zu haben, die Hausgemeinschaft anzupöbeln.

Mami hat ihre Prüfung bestanden und arbeitet nun nur noch selbstständig und viel von zu Hause aus. Vieles wurde durch zwei separate Kinderzimmer entspannter, durch ein größeres Bad und ein weiteres Klo. Es gibt kein schlechtes Gefühl mehr beim Befahren des Parkplatzes, sowie mich kein Tier- AA Gestank mehr aus Hausmüll in Beuteln vor den Haustüren erwartet. Keine Anfeindungen nerven mich mehr, keine bösen Unterstellungen dringen in meine Ohren; es herrscht einfach kein Unfrieden mehr, der für innere Unruhe und Anspannung sorgt.

Ehrlich herrlich. Abgesehen von den Mehrkosten für die neue Unterkunft. Ruhe und Frieden, sowie Komfort haben leider- wie alles andere auch- eine Kehrseite und ihren Preis.

Für eine Alleinerziehende mit vielen Interessen, Freunden, vielen Umzugskisten und Möbeln, sowie einem viel arbeitenden Freund, stellten nicht nur der Umzug eine große Herausforderung dar.
Einige Monate zuvor stand ich vor der Prüfung zur psychotherapeutischen HP und habe meine andere Selbstständigkeit ausgebaut. Umziehen wollten wir ursprünglich erst im Sommer dieses Jahres.

So litt der kreative Geist und all die Anekdoten aus meinem Leben verschwanden irgendwo im Alltag. Sobald ich mittags noch dachte: das schreibe ich auf, darüber schreibe ich oder das ist einen Blogtext wert, war der Gedanke zwar noch da, wusste ich jedoch nicht mehr, worüber genau ich schreiben wollte, weil die Tage einfach zu voll waren.
Kam es vor, dass ich es doch noch wusste, war ich zu müde, es niederzuschreiben.
Oft kam mir mein Diktiergerät als Hilfsmittel in den Sinn, jedoch ist die Verbindung dann unterbrochen. Gedanke in Sprache ist eben keine stabile Verbindung wie Gedanken vom Hirn, in die Finger, in die Tasten. Der stumme Transport der Gedanken ist der Effizientere, der Wahrhaftigere, der Ehrlichere.

So war mir schon zu Beginn der Virus- Krise klar, dass wir mehr Zeit haben werden. Mehr Zeit für Wesentlicheres. Weniger Termine, weniger Arbeit, kaum Patienten. Keine Kurse, keine Sportvereine, keine schulischen Veranstaltungen, kein Taxi für Kinder.

Nachdem wir uns hier zu Hause an den neuen Alltag gewöhnt haben, der Rhythmus untereinander angepasst wurde, die Kinder kapiert haben, dass es eben keine Corona – Ferien sind, sondern dennoch etwas gelernt wird und der Haushalt mit Mehrarbeit sich eben auch nicht von alleine macht; es ein paar Mal mächtig geknallt hat und ich mich fragte, warum die Welt mich so sehr hasst, mich damit auch noch allein zu lassen, läuft es nun ganz gut.
Natürlich werden wir auch mehr KW Strom verbrauchen, weil die Xbox heiß läuft, meine Tochter andauernd elektronische Geräte lädt, um seltsame Selfie-Tanz-Kurzsequenzen zu filmen- für eine der größten Zeitverschwendungen unter den Apps namens TikTok- und weil wir plötzlich auch mehr fernsehen.
Dafür haben wir mehr Zeit für uns, mehr Muße gesündere Mahlzeiten zuzubereiten und wir können morgens endlich länger schlafen. Kein Stress am Morgen, kein Stress am Abend. Der gesamte Druck ist weg. Mami ist total entspannt. Corona – die optische Verjüngungskur.
Dank der Krise, so schwierig sie auch ist, sitze ich hier im Schneidersitz auf meinem Bett, habe die Sonne im Rücken und schreibe diesen Text, während ich das Bier zur Krise trinke und nun den jüngst erstandenen Elektrogrill testen werde.
Solidarität also auch mit den Brauereien, zumal – so las ich- der Virus alkoholsensibel sei.

In diesem Sinne: Zum Wohl.

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